Tierheime in Sachsen stoßen an Kapazitätsgrenzen

Die Tierheime in Sachsen arbeiten an ihrer Kapazitätsgrenze, wie TAG24 unter Berufung auf den Landestierschutzverband Sachsen berichtet. Demnach sind die Einrichtungen deutschlandweit „brechend voll“, wie Verbandsvorsitzender Michael Sperlich sagte, der zugleich das Tierheim Leipzig leitet.

Sachsen habe jedoch eine Besonderheit, die sich ungünstig auswirke: Es sei das einzige Bundesland ohne Katzenschutzverordnung, so Sperlich. Eine solche Regelung würde Halter von Freigänger-Katzen verpflichten, ihre Tiere kastrieren, chippen und in einem Haustierregister eintragen zu lassen.

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Aktuell bereiten vor allem Jungkatzen den Heimen Probleme, die als Fundtiere abgegeben werden. Claudia Ruf vom Tierheim Vielauer Wald führt das darauf zurück, dass Halter ihre Tiere nicht kastrieren lassen – aus Ignoranz, aus Geiz oder aus Geldmangel, weil die Tierarztkosten in den vergangenen Jahren stark gestiegen seien. Ihr Tierheim hat seit Jahresbeginn 300 Katzen aufgenommen, in Leipzig waren es zuletzt 50 pro Monat. Katzen ließen sich allerdings besser vermitteln als Hunde, sagte Sperlich.

Hunde und ihre Halter

In Leipzig leben rund 35 Hunde, die als gefährlich eingestuft wurden oder deren Gefährlichkeit noch geprüft wird. Sperlich sieht die Verantwortung bei den Haltern: Viele machten sich vor der Anschaffung keine Gedanken darüber, wofür eine Rasse ursprünglich gezüchtet wurde. Als Beispiel nennt er den türkischen Kangal, einen Herdenschutzhund, der in einer Großstadt nicht gut aufgehoben sei. Sperlich spricht sich für eine bundesweite Liste aus, die die Haltung bestimmter Rassen reguliert.

Den Begriff „Kampfhund“ lehnen Sperlich und Ruf ab. Es gebe keine Studie, die einen Zusammenhang zwischen Rasse und Gefährlichkeit belege, sagte Ruf. Aggressives Verhalten komme bei allen Rassen vor, bis hin zu Kleinsthunden; der Unterschied liege höchstens in der Schwere möglicher Verletzungen. Sperlich erläuterte, der Begriff stamme aus einem anderen historischen Zusammenhang und sei heute missverständlich.

Ira Weißbach vom Tierheim Chemnitz berichtet, dass viele Menschen große Hunde wie Schäferhunde oder Malinois abgeben wollen – Arbeitsrassen, die nicht zur Lebenssituation der Halter passten. Manche Besitzer wollten zudem keine Abgabegebühr zahlen, obwohl die Tiere noch nie bei einem Tierarzt gewesen seien. Betroffen seien Familien, Alleinerziehende und junge Leute; „es ist eigentlich jede Schicht dabei“, so Weißbach.

Sperlich zufolge ist das Leipziger Tierheim seit einigen Jahren auch mit Tieren ukrainischer Flüchtlinge befasst. Diese hätten viele kleinwüchsige Hunde mitgebracht, etwa Chihuahuas, sowie Nacktkatzen mit gesundheitlichen Problemen, wobei die Behandlungskosten die Eigentümer nicht bezahlen könnten, sagte Sperlich. Weitere Details zu diesem Punkt nennt der Bericht nicht.

Für dich als Tierhalter heißt das: Kastration, Chip und Registrierung deiner Freigänger-Katze entlasten die Heime spürbar, denn bei gesundheitlichen Problemen deines Tieres solltest du eine Tierarztpraxis aufsuchen.

Häufige Fragen

Warum sind die Tierheime in Sachsen besonders belastet?

Laut dem Landestierschutzverband Sachsen sind die Heime deutschlandweit voll. Sachsen ist zudem das einzige Bundesland ohne Katzenschutzverordnung, wodurch viele unkastrierte Freigänger-Katzen als Fundtiere in den Heimen landen.

Wie viele Katzen haben die Tierheime aufgenommen?

Das Tierheim Vielauer Wald hat seit Jahresbeginn 300 Katzen aufgenommen. In Leipzig waren es zuletzt 50 pro Monat, wie Michael Sperlich vom Landestierschutzverband Sachsen berichtet.

Was würde eine Katzenschutzverordnung regeln?

Sie würde Halter von Freigänger-Katzen verpflichten, ihre Tiere kastrieren, chippen und in einem Haustierregister registrieren zu lassen. Sachsen hat eine solche Verordnung nach Angaben Sperlichs bislang nicht.

Welche Tiere ukrainischer Flüchtlinge kommen in den Heimen an?

Nach Angaben von Michael Sperlich handelt es sich häufig um kleinwüchsige Hunde wie Chihuahuas sowie um Nacktkatzen mit gesundheitlichen Problemen. Die Behandlungskosten könnten die Eigentümer nicht bezahlen.

Was fordert der Landestierschutzverband Sachsen?

Verbandsvorsitzender Michael Sperlich plädiert für eine bundesweite Liste, die die Haltung bestimmter Hunderassen reguliert. Den Begriff „Kampfhund“ halten er und Claudia Ruf für missverständlich und nicht durch Studien gestützt.

Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keinen Tierarztbesuch. Bei akuten Beschwerden, anhaltendem Erbrechen oder Durchfall, Fressverweigerung oder Verdacht auf Vergiftung gehört dein Tier sofort zum Tierarzt.