Shamonda-Virus: Erste Infektion beim Menschen in Frankreich

In Frankreich ist das bislang nur bei Tieren bekannte Shamonda-Virus (SHAV) erstmals bei einem Menschen nachgewiesen worden. Der betroffene Patient starb Anfang Oktober in einer Klinik in Lyon, wie das französische Gesundheits- und das Landwirtschaftsministerium gemeinsam mitteilten. Er habe unter einer schweren Immunschwäche gelitten und sei wegen einer gravierenden Erkrankung behandelt worden. Nach Angaben der Ministerien handelt es sich um den weltweit ersten dokumentierten Fall einer Shamonda-Infektion beim Menschen.

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Die vor dem Tod beobachtete gesundheitliche Verschlechterung hing den bisherigen Untersuchungen zufolge sehr wahrscheinlich mit der Infektion zusammen. Die Behörden betonten zugleich, dass nach derzeitigem Wissensstand kein Gesundheitsrisiko für die allgemeine Bevölkerung bestehe. Als wahrscheinlich gilt eine Übertragung durch den Stich einer Gnitze der Gattung Culicoides im Osten Frankreichs, wo im Frühjahr und Sommer 2026 eine Viruszirkulation bei Tieren festgestellt worden war.

Ein Ausnahmefall bei geschwächtem Immunsystem

Virusforscher Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik und Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), erklärte gegenüber dem Science Media Center, bei einem stark geschwächten Immunsystem sei die Abwehr von Infektionserregern erheblich beeinträchtigt. Das könne deutlich leichter zu einer Infektion und effizienten Virusvermehrung führen als bei einem intakten Immunsystem. Dieser Umstand sei bei der Bewertung des Falls von großer Bedeutung.

Ben Brennan von der University of Glasgow sagte, der Patient habe an einer schweren Grunderkrankung gelitten, die ihn besonders anfällig für Infektionen gemacht habe. Ob das Virus zu seinem Tod beigetragen habe, sei noch nicht geklärt. Der Nachweis bei einem Patienten mit schwerer Immunschwäche bedeute nicht zwangsläufig ein erhebliches Risiko für ansonsten gesunde Menschen. Derzeit gebe es keine Hinweise darauf, dass das Shamonda-Virus eine weit verbreitete Erkrankung beim Menschen verursache, so Brennan. Weitere Untersuchungen seien nötig, um die Fähigkeit zur Infektion von Menschen zu verstehen.

Tom Solomon von der University of Liverpool erklärte, das Virus zirkuliere seit vielen Jahren bei Tieren, insbesondere bei Rindern, aber auch bei Schafen, Ziegen, Pferden und Alpakas. Dies sei jedoch der erste bekannte Infektionsfall beim Menschen, was auf eine äußerst seltene Übertragung hindeute. Viele Fragen seien aber noch offen: Man wisse nicht, ob sich gesunde Menschen ohne Symptome infizieren können, welche Symptome das Virus normalerweise hervorrufe oder wie häufig es zu schweren Erkrankungen führe. Die europäische Gesundheitsbehörde ECDC teilte mit, derzeit werde untersucht, ob das Virus den Tod verursacht oder dazu beigetragen habe.

Lage bei Tieren in Deutschland

Das FLI hatte Anfang August 2026 ein neues Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe bei Rindern in Süddeutschland festgestellt. Das Isolat Shamonda-Virus/DE/2026 ist eng mit dem seit den 1960er Jahren bekannten Shamonda-Virus verwandt. Infektionen traten auch in der Schweiz und in Frankreich auf. Übertragen wird das Virus durch Gnitzen, was die Vermeidung von Infektionen und die Bekämpfung erschwert.

Bei den Tieren verläuft die Erkrankung meist mild. Die meisten Rinder zeigen laut t-online keine oder nur sehr milde Symptome wie Fieber, einen vorübergehenden Rückgang der Milchleistung oder Durchfall. Ob und in welchem Umfang Infektionen tragender Tiere zu Schädigungen der Feten führen können, lässt sich nach FLI-Angaben derzeit noch nicht abschätzen. Aborte, Totgeburten und missgebildete Kälber oder Lämmer aus möglicherweise betroffenen Beständen sollten daher besonders aufmerksam untersucht werden. Viren der Simbu-Serogruppe gelten in der Regel nicht als Zoonoseerreger und stellen nach bisherigem Kenntnisstand kein relevantes Infektionsrisiko für den Menschen dar.

Mit den sinkenden Temperaturen ab Mitte November werde die Zirkulation bei Gnitzen und die Infektion empfänglicher Tiere gestoppt, sagte Beer. Im Frühjahr oder Sommer des Folgejahres könnten sich Infektionen wieder ausbreiten, nach einer sehr starken ersten Welle seien die Infektionszahlen bei Tieren aufgrund der Herdenimmunität dann aber vermutlich deutlich reduziert. Gnitzen sind in Mitteleuropa heimisch und laut Beer allgemein von April bis November aktiv, mit der höchsten Aktivität üblicherweise zwischen Juli und Oktober.

Für Tierhalter bedeutet das: Achte in der warmen Jahreszeit auf mögliche Symptome wie Fieber oder Leistungsrückgang bei deinen Tieren, und wende dich bei Auffälligkeiten an deine Tierarztpraxis. Von Erzeugnissen wie Milch geht nach Einschätzung von Beer keine Gefahr aus.

Häufige Fragen

Was ist das Shamonda-Virus?

Das Shamonda-Virus ist ein Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe, das durch blutsaugende Gnitzen der Gattung Culicoides übertragen wird. Es wurde Mitte der 1960er-Jahre erstmals in Nigeria identifiziert und zirkulierte bislang sporadisch bei Rindern in Afrika und Japan. Im Sommer 2026 wurde es erstmals in Europa dokumentiert.

Wie kam es zu der Infektion in Frankreich?

Der Patient mit schwerer Immunschwäche wurde in einer Klinik in Lyon behandelt und starb Anfang Oktober. Als wahrscheinlich gilt eine Übertragung durch den Stich einer Culicoides-Gnitze im Osten Frankreichs, wo im Frühjahr und Sommer 2026 Infektionen bei Tieren gemeldet worden waren.

Besteht für die Allgemeinbevölkerung ein Risiko?

Die französischen Ministerien betonten, dass nach derzeitigem Wissensstand kein Gesundheitsrisiko für die allgemeine Bevölkerung besteht. Fachleute wie Ben Brennan erklärten, der Nachweis bei einem immungeschwächten Patienten bedeute nicht zwangsläufig ein erhebliches Risiko für gesunde Menschen.

Wie verläuft die Infektion bei Tieren?

Bei den Tieren verläuft die Erkrankung meist mild. Die meisten Rinder zeigen keine oder nur sehr milde Symptome wie Fieber, einen vorübergehenden Rückgang der Milchleistung oder Durchfall. Ob Infektionen tragender Tiere Feten schädigen können, ist laut FLI derzeit noch nicht abschätzbar.

Wann endet die Gnitzen-Saison?

Gnitzen sind in Mitteleuropa von April bis November aktiv, mit der höchsten Aktivität zwischen Juli und Oktober. Mit den sinkenden Temperaturen ab Mitte November werde die Zirkulation bei Gnitzen und die Infektion empfänglicher Tiere gestoppt, sagte Martin Beer vom FLI. Im Frühjahr oder Sommer des Folgejahres könnten sich Infektionen wieder ausbreiten.

Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keinen Tierarztbesuch. Bei akuten Beschwerden, anhaltendem Erbrechen oder Durchfall, Fressverweigerung oder Verdacht auf Vergiftung gehört dein Tier sofort zum Tierarzt.